AEROTOP® SPK
Luft-Wasser Wärmepumpe
Leistung 2,3 kW bis 20 kW
Die meisten Heizungen arbeiten mit Wasser als Transportmittel. Letzteres hat die Eigenschaft, dass es sich beim Erwärmen ausdehnt. Ein Heizungssystem hat deshalb bei 10 °C ein anderes Anlagenvolumen als bei 80 °C. Diese Differenz muss irgendwo hin. Hier kommt das Ausdehnungsgefäß ins Spiel. Auch als Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) bezeichnet, nimmt es das zusätzliche Anlagenvolumen auf und garantiert dadurch einen konstanten Systemdruck. Wie sich das Ausdehnungsgefäß berechnen lässt, wie eine Vordruck-Tabelle die Dimensionierung erleichtert und was es sonst noch zu beachten gilt, fassen wir im Folgenden zusammen.
Gemäß DIN EN 12828 ist die Auslegung des Ausdehnungsgefäßes Pflicht. Sollte es durch ein falsch dimensioniertes MAG zu einem Schadensfall kommen, haftet der ausführende Heizungsbauer. Doch nicht nur deshalb ist die richtige Dimensionierung bei der Planung einer Heizung von entscheidender Bedeutung.
Wenn das MAG zu klein ist, dehnt sich das Wasser beim Aufheizen aus und das Anlagevolumen steigt unkontrolliert. Im besten Fall greift dann das Sicherheitsventil und lässt den überschüssigen Druck ab, im schlimmsten Fall versagt ein Bauteil der Anlage. Bläst das Sicherheitsventil aufgrund eines zu gering dimensionierten Ausdehnungsgefäßes regelmäßig ab, geht Wasser verloren und Sauerstoff kommt nach. Pumpe und Ventile leiden und die Anlage korrodiert von innen.
Ein zu groß dimensioniertes MAG ist zwar weniger gefährlich, führt jedoch dennoch zu einem unnötig hohen Verschleiß und vermeidbaren Fehlermeldungen der Anlage. So kann es dazu führen, dass der Systemdruck während des Betriebs zu weit abfällt und es zu Druckfehlermeldungen bis hin zur Abschaltung der Anlage kommt.
Wichtig vorab: Für die Auslegung des Ausdehnungsgefäßes gibt es in der DIN EN 12828 einen klar vorgegebenen Rechenweg. Die folgende Anleitung kann eine Lektüre der Norm und damit einhergehendes Fachwissen nicht ersetzen, sondern fasst wesentliche Inhalte der Norm vereinfacht zusammen.
Um das Ausdehnungsgefäß berechnen zu können, sind die folgenden vier Größen relevant:
Idealerweise werden die Wasserinhalte aller Bauteile aus den technischen Datenblättern zusammengerechnet. Liegen diese nicht vor, lässt sich der Wasserinhalt wie folgt näherungsweise berechnen.
Wasserinhalt (V_System) = Spezifischer Anlagenwasserinhalt (v) × Nennwärmeleistung des Kessels (kW)
Der spezifische Anlagenwasserinhalt (v) wird in Litern pro Kilowatt angegeben und ergibt sich aus der Art der Wärmeverteilung. Folgende Tabelle dient als Orientierung:
| Wärmeverteiler | Spezifischer Wasserinhalt in Litern pro Kilowatt (ca.) |
| Plattenheizkörper | 9 |
| Radiatoren (modern) | 11 |
| Radiatoren in Schwerkraftanlagen | 13 |
| Fußbodenheizung | 20 |
| Konvektoren | 5 |
| Lüftungsgeräte | 7,5 |
Beispiel: Angenommen, es handelt sich um eine Anlage mit einer Nennwärmeleistung von 25 kW, die moderne Radiatoren verfügt. Dann lautet die Berechnung wie folgt:
11 l/kW Spezifischer Wasserinhalt x 25 kW Nennwärmeleistung des Kessels = 275 Liter Wasserinhalt (V_System)
Beim Erwärmen von Wasser gilt: Je heißer es wird, desto stärker nimmt das Volumen zu. Die Temperatur des Heizungswassers kann dabei durchaus über die Betriebstemperatur der Anlage hinausgehen. So hört der Kessel nach dem Abschalten nicht direkt auf, Wärme abzugeben, sondern schießt kurzfristig über die Betriebstemperatur hinaus. Dieses Phänomen wird als Überschwingtemperatur bezeichnet. Sie beträgt üblicherweise 10 °C mehr als die Betriebstemperatur beim Abschalten des Kessels.
Das Ausdehnungsvolumen richtet sich nach der maximalen Überschwingtemperatur der Anlage. Diese liegt typischerweise 10 Kelvin über der eingestellten Abschalttemperatur am Sicherheitstemperaturbegrenzer. Der Begrenzer darf laut EN 12828 maximal auf 110 °C eingestellt sein.
Die Formel lautet:
Ausdehnungsvolumen (V_e) = Wasserinhalt (V_System) × Wasserausdehnung (e) / 100
Der Ausdehnungskoeffizient e (in Prozent) ist abhängig von der maximalen Überschwingtemperatur und lässt sich anhand folgender Tabelle ermitteln:
| Maximale Überschwingtemperatur | Wasserausdehnung (e) |
| 70 °C | 2,22 % |
| 80 °C | 2,81 % |
| 90 °C | 3,47 % |
| 100 °C | 4,21 % |
| 110 °C | 5,03 % |
| 120 °C | 5,93 % |
Beispiel: Basierend auf Schritt 1 nehmen wir an, dass die Anlage ein Wasserinhalt (V_System) von 275 Litern hat. Außerdem nehmen wir an, dass sie einem maximale Überschwingtemperatur von 110 °C erreicht. Dann lautet die Berechnung wie folgt:
275 Liter Wasserinhalt (V_System) x 5,03 Wasserausdehnung (e) / 100 = 13,8 Liter Ausdehnungsvolumen (V_e)
Der Vordruck entspricht dem statischen Druck der Anlage zuzüglich einem Sicherheitszuschlag von 0,3 bar. Das MAG befindet sich meist im Keller und somit am tiefsten Punkt der Anlage. Über ihm befindet sich die gesamte Wassersäule der Heizung mitsamt Rohren und Heizkörpern, oft über mehrere Stockwerke.
Das Gewicht des Wassers erzeugt Druck, der in die Berechnung des Ausdehnungsgefäßes mit einfließen muss. Nur so lässt sich gewährleisten, dass das MAG dem Druck standhält.
In der Heizungstechnik gilt hier eine Faustregel: 10 Meter Wasserhöhe entsprechen 1 bar Druck. Eine Anlage, deren höchster Punkt 8 Meter über dem MAG liegt, erzeugt demnach einen statischen Druck von 0,8 bar. Hinzu kommt ein pauschaler Sicherheitszuschlag von 0,3 bar.
Für den Vordruck ergibt sich demnach die folgende Formel:
Vordruck (p_0) = Statischer Druck (p_st) + 0,3 bar
Beispiel: Angenommen, der höchste Punkt der Heizung liegt 10 Meter über dem MAG. Dann beträgt der Statische Druck 1,0 bar und die Berechnung lautet:
1,0 bar Statischer Druck + 0,3 bar = 1,3 bar Vordruck (p_0)
Der Enddruck liegt 0,5 bar unter dem Ansprechdruck des Sicherheitsventils. Die Formel lautet entsprechend:
Auslegungs-Enddruck (p_e) = Ansprechdruck des Sicherheitsventils (p_SV) − 0,5 bar
Beispiel: Die Formel zur Berechnung des Enddrucks für ein Sicherheitsventil mit 3,0 bar lautet:
3,0 Ansprechdruck des Sicherheitsventils (p_SV) − 0,5 bar = 2,5 bar Auslegungs-Enddruck (p_e)
Das Ausdehnungsgefäß verfügt über ein Gaspolster, weshalb dessen Volumen nie vollumfänglich genutzt werden kann. Deshalb wird ein sogenannter Nutzfaktor f_N berechnet, der angibt, welcher Anteil des Gefäßvolumens tatsächlich zur Verfügung steht. Dabei gilt folgende Formel:
Nutzfaktor (f_N) = (Auslegungs-Enddruck (p_e) + 1) / (Auslegungs-Enddruck (p_e) − Vordruck (p_0))
Beispiel: Nehmen wir die Zahlen aus den vorherigen Schritten mit einem Auslegungs-Enddruck (p_e) von 2,5 bar und einen Vordruck (p_0) von 1,3 bar an, dann gilt folgende Berechnung:
(2,5 bar Auslegungs-Enddruck (p_e) + 1) / (2,5 bar Auslegungs-Enddruck (p_e) − 1,3 bar Vordruck (p_0)) = 3,5 / 1,2 = 2,92 Nutzfaktor (f_N)
Zugegeben: Die Berechnung des Membran-Ausdehnungsgefäßes nach DIN EN 12828 ist durchaus komplex. Dabei gibt es für bestimmte Standardfälle eine deutlich schnellere Abkürzung: Die sogenannte Vordruck- oder Auslegungstabelle.
Die Tabelle ist eine vorberechnete Zusammenfassung der vollständigen MAG-Auslegungsformel. Das bedeutet: Jemand hat diese Berechnung für alle 20 Wasserinhalt-Stufen mal neun Vordruck-Stufen, mal zwei Sicherheitsventil-Varianten mit 2,5 und 3 bar durchgeführt. Das sind insgesamt 360 einzelne Berechnungen, deren Ergebnisse in einer Tabelle zusammengefasst wurden. Die einzige Annahme, die dabei fest eingebaut ist, ist die Überschwingtemperatur von 110 °C, die für die überwiegende Mehrheit der Warmwasser-Heizungsanlagen gilt.
Wer also über die entsprechenden Werte verfügt, kann die passende Größe des Ausdehnungsgefäßes anhand der Tabelle ablesen:

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