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Wohnungsstation: Funktion, Planung und Systemintegration

Wohnungsstation: Funktion, Planung und Systemintegration

Wer ein Mehrfamilienhaus plant oder saniert, dem stellt sich früher oder später die Frage: Wie lässt sich Wärme aus einer zentralen Anlage effizient, hygienisch und einzeln abrechenbar auf die einzelnen Wohneinheiten verteilen? Die Antwort auf diese Frage liefert eine Wohnungsstation. Auch als Hausübergabestation, Wohnungsübergabestation oder einfach nur Übergabestation bezeichnet, bildet sie die Schnittstelle zwischen der zentralen Wärmeversorgung eines Gebäudes und der einzelnen Wohneinheit. Wie genau das funktioniert und was es bei der Installation zu beachten gilt, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Funktion und Aufgaben

Die Wohnungsübergabestation gewährleistet die hydraulische Trennung zwischen dem zentralen Wärmeerzeuger und den Heizungsanlagen in den einzelnen Wohneinheiten. Dabei ist es egal, ob die Wärme aus einem Fernwärmenetz, einer Nahwärmeanlage oder einer zentralen Wärmepumpe stammt. Zusammenfassend übernimmt die Übergabestation hier folgende Aufgaben:

  • Individualregelung: Ohne dezentrale Station hängt jede Wohnung am selben Volumenstrom und an derselben Vorlauftemperatur wie alle anderen. Die Wohnungsübergabestation schafft eine saubere Systemgrenze und regelt Vorlauftemperatur und Volumenstrom bedarfsabhängig für jede Wohnung individuell.
  • Ausgleich von Druckschwankungen: Die gleichzeitige Warmwasserbereitung in verschiedenen Wohnungen erzeugt Druckspitzen und -einbrüche. Der integrierte Differenzdruckregler der Wohnungsübergabestation hält den Versorgungsdruck konstant. Andernfalls würden sogenannte Wasserschläge zu Schäden an Rohrleitungen, Ventilen und am Wärmetauscher führen.
  • Verbrauchsabhängige Abrechnung: Der geeichte Wärmemengenzähler in der Wohnungsstation erfasst exakt, wie viel Wärmeenergie eine Wohneinheit bezogen hat, nachweisbar und manipulationssicher.
  • Legionellen vermeiden: Dezentrale Warmwasserspeicher auf Wohnungsebene sind dauerhaft mit Wasser bei Temperaturen zwischen 25 und 50 °C gefüllt. Damit bieten sie ideale Bedingungen für das Wachstum von Legionellen. Die Wohnungsübergabestation bereitet Warmwasser ausschließlich im Durchfluss auf und reduziert so das Legionellenrisiko.
 

Warum eine Wohnungsübergabestation notwendig ist:

Während in Wohnung 7 gleichzeitig geduscht und geheizt wird, steht Wohnung 2 derzeit leer. Die Anforderungen an die Wärmeversorgung der einzelnen Wohneinheiten sind so individuell wie ihre Bewohner. Ohne eine dezentrale Übergabestation zwischen der zentralen Wärmeversorgung auf Gebäudeebene und dem Wärmebedarf der einzelnen Wohnung würden unterschiedliche Anforderungen das Wärmesystem schnell überlasten.

Ein Gerät, mehrere Szenarien: Fernwärme, Nahwärme, Wärmepumpen

Fälschlicherweise werden Hausübergabestationen häufig mit Fernwärmeübergabestationen gleichgesetzt. Tatsächlich jedoch ist der Anschluss einer einzelnen Wohneinheit an ein zentrales Nah- oder Fernwärmenetz nur einer von mehreren Anwendungsfällen.

Fernwärme und Nahwärme

Hier übernimmt die Station die klassische Funktion der hydraulischen Trennung zwischen dem Netz des Energieversorgers und der Wohnungsinstallation. Der integrierte Differenzdruckregler hält den Versorgungsdruck stabil, der Wärmemengenzähler erfasst den Verbrauch für die Abrechnung gegenüber dem Netzbetreiber. 

Zentrale Wärmepumpe im Gebäude

Bei Wärmepumpen verändert sich die Rolle der Station: Zwar gibt es kein externes Wärmenetz eines Energieversorgers, dennoch bleibt die hydraulische Entkopplung ebenso wichtig. So reagieren Wärmepumpen empfindlich auf Druckschwankungen und zu geringes Wasservolumen im System. Die Wohnungsstation schützt hier den Erzeuger, indem sie Volumenströme stabilisiert. 

Darüber hinaus erfüllt sie eine weitere wichtige Funktion. Wärmepumpen arbeiten bei niedrigen Vorlauftemperaturen am sparsamsten. Andernfalls sinken Effizienzwerte wie der COP (Coefficient of Performance) und die Jahresarbeitszahl und der Stromverbrauch der Anlage steigt. Die Wohnungsstation ist so ausgelegt, dass sie auch bei 35 bis 50 °C Vorlauf noch ausreichend Heizleistung und Warmwasser bereitstellt. Stationen mit großzügig dimensioniertem Wärmetauscher und geringer Temperaturspreizung wie die ALION® L von ELCO sind speziell für diesen Anwendungsfall entwickelt worden.

Hybridanlagen

Immer häufiger kommen Hybridsysteme zum Einsatz, die Wärmepumpen mit konventionellen Kesseln oder Fernwärme kombinieren. Hier sind Übergabestationen gefragt, die mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen umgehen können. 

So kann es vorkommen, dass die zentrale Wärmeversorgung über Drei- oder Vierleiter-Rohrsysteme für Hoch- und Niedertemperatur-Heizkreise verfügt. Letztere werden dann in der Übergabestation zusammengeführt.

Für Monteure und Planer: Was es bei der Installation zu beachten gilt

Kaum größer als ein Sicherungskasten übernimmt die Übergabestation eine zentrale Rolle im Wärmesystem eines Gebäudes. Unsachgemäß installiert, gefährdet sie nicht nur den Wohnkomfort und die Effizienz der Anlage, sondern im schlimmsten Fall die Gesundheit der Bewohner. Da das so ist, gibt es einige Normen und Grundprinzipien, die Planer und Heizungsbauer unbedingt berücksichtigen sollten.

 

Normen und Regelwerke

  • AGFW FW 520 Teil 1 und 2 (Mindestanforderungen und Planungsgrundlagen für Wohnungsübergabestationen)
  • DIN EN 12831 (Heizlastberechnung)
  • DIN 4747-1 (Sicherheitstechnik)
  • DIN 1988-200 (Trinkwasser-Installation)
  • VDI 2072 (Wärmeübergabestation mit Durchfluss-TWW-Erwärmung), 
  • VDI 6003 (Komfortkriterien Trinkwassererwärmung) sowie VDI 2035 (Schutz vor Schäden in Heizungsanlagen). 
  • Messgeräterichtlinie MID 2014/32/EU für Wärmemengenzähler.

Hinweis: AGFW FW 515 wurde zurückgezogen und ist seit März 2024 nur noch als Praxisleitfaden verfügbar. Für Wohnungsübergabestationen gilt vorrangig AGFW FW 520.

 

Trennung von Primär- und Sekundärkreis

Bei der direkten Anbindung durchströmt das Netzwasser des Wärmeversorgers unmittelbar die Heizung des Gebäudes. In diesem Fall sind der Primär- und Sekundärkreis hydraulisch verbunden. Diese Variante wird zunehmend vermieden, da Druckstöße zu Schäden an der Haustechnik führen können. 

Bei der indirekten Anbindung trennt ein Plattenwärmetauscher in der Wohnungsübergabestation beide Kreise vollständig voneinander. Welche Variante zum Einsatz kommt, legt das Fernwärmeversorgungsunternehmen auf Basis seiner TAB fest, wobei die indirekte Anbindung heute in den allermeisten Fällen vorgeschrieben ist.

 

Hydraulischer Abgleich

Nach VOB/C DIN 18380 ist der hydraulische Abgleich als anerkannte Regel der Technik vorgeschrieben. Laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist der hydraulische Abgleich verpflichtend bei der Heizungsinstallation in einem Neubau. Gleiches gilt für den Heizungswechsel in Bestandsimmobilien, wenn sie mindestens sechs Wohneinheiten umfassen. Darüber hinaus ist der hydraulische Abgleich Voraussetzung für den Erhalt der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), beispielsweise beim Wechsel auf eine Wärmepumpe. 

 

Trinkwasserhygiene

Die dezentrale Warmwasserbereitung der Übergabestation bei Durchfluss minimiert das Legionellenrisiko erheblich, da auf zentrale Warmwasserspeicher und lange Leitungswege verzichtet wird. Die Untersuchungspflicht nach Trinkwasserverordnung greift bei gewerblich oder öffentlich genutzten Gebäuden, sobald entweder der Warmwasserspeicher mehr als 400 Liter fasst oder eine Rohrleitung zwischen Trinkwassererwärmer und Entnahmestelle mehr als 3 Liter Inhalt hat (3-Liter-Regel, DVGW W 551). 

Werden die nachgeschalteten Warmwasserleitungen konsequent mit unter 3 Litern Inhalt ausgeführt, kann die Untersuchungspflicht entfallen. Dies muss jedoch im Einzelfall geprüft werden, da auch die Leitungsführung innerhalb der Wohnung relevant ist.

 

Die Wohnungsübergabestation von ELCO

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