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Fußbodenheizung nachrüsten: Möglichkeiten von Fräsen bis Trockensystem

Fußbodenheizung nachrüsten: Möglichkeiten von Fräsen bis Trockensystem

In mehr als der Hälfte aller Neubauten setzen Eigentümer heute auf Fußbodenheizungen. Sie überzeugen durch eine angenehme Wärmeverteilung, einen hohen Komfort und arbeiten gerade in Kombination mit Wärmepumpen meist effizienter als klassische Heizkörper. Das sind die Gründe, warum sich auch Eigentümer in Altbauten immer häufiger dazu entscheiden, eine Fußbodenheizung nachzurüsten. Während das vor einigen Jahren noch mit hohem Aufwand und Kosten verbunden war, gibt es heute deutlich einfachere Lösungen. Welche das sind, fassen wir im Folgenden zusammen.

Fußbodenheizung nachträglich einbauen: Lohnt sich das?

Der wohl häufigste Grund für das Nachrüsten einer Fußbodenheizung in Bestandsgebäuden ist der Wechsel auf eine Wärmepumpe. Letztere arbeitet in Kombination mit einer Flächenheizung meist effizienter als dies mit klassischen Heizkörpern der Fall ist. 

Begründet liegt das im Funktionsprinzip der Wärmepumpe: Diese verbraucht umso weniger Strom, je geringer der Temperaturunterschied zwischen dem Heizungssystem und der genutzten Wärmequelle wie der Erde, dem Grundwasser oder der Außenluft ausfällt. Klassische Heizkörper benötigen eine vergleichsweise hohe Vorlauftemperatur von 45 bis 70 °C, wohingegen Temperaturen von 30 bis 40 °C bei Fußbodenheizungen meist ausreichen. 

Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu) kommt zu dem Ergebnis: Mit jedem Grad weniger Vorlauftemperatur steigt die Effizienz der Wärmepumpe um 2 bis 3 Prozent. Geht es also um den Wechsel auf eine Wärmepumpe, kann das Nachrüsten einer Fußbodenheizung die Energieeffizienz deutlich steigern. Neben der Dämmung besteht in der Art der Wärmeverteilung demnach einer der größten Hebel, um die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe zu verbessern.

Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung?

Ist eine Wärmepumpe also nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn Eigentümer eine Fußbodenheizung nachrüsten? Das lässt sich pauschal so nicht sagen. Denn in vielen Fällen lässt sich eine Wärmepumpe auch mit Heizkörpern effizient betreiben. So gibt es durchaus Heizkörper, die bei vergleichsweise niedrigen Vorlauftemperaturen ausreichend Wärme bereitstellen. Dazu zählen beispielsweise spezielle Niedertemperaturheizkörper. Viele Altbauten verfügen zudem über großflächige Plattenheizkörper, die damals oft zu groß dimensioniert wurden und sich für Wärmepumpen ebenfalls gut eignen. 

Fußbodenheizung nachrüsten: Möglichkeiten im Vergleich

Soll eine Fußbodenheizung im Gebäudebestand nachgerüstet werden, bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Welche Lösung infrage kommt, hängt unter anderem von der vorhandenen Bausubstanz, der Aufbauhöhe sowie dem verfügbaren Budget ab. Im Folgenden stellen wir die gängigsten Systeme zur Nachrüstung einer Fußbodenheizung vor und beleuchten die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Fräsen

Statt den Boden vollständig aufzureißen oder neuen Estrich zu gießen, werden mit einer Spezialfräse schmale Bahnen in den bestehenden Estrich gefräst. Darin werden dann die Heizungsrohre für die neue Fußbodenheizung verlegt. Die Nuten besitzen eine Breite von 12 bis 18 Millimeter und eine Tiefe von 20 bis 25 Millimeter. Nachdem die Heizungsrohre verlegt wurden, werden sie mit Wärmeleit- oder Vergussmasse wieder verschlossen.

Das Fräsen gehört zu den beliebtesten Methoden, eine Fußbodenheizung nachträglich einzubauen. Kein Wunder, denn es bietet einige Vorteile: Dadurch, dass die Rohre in den bestehenden Estrich eingelassen werden, entsteht keine zusätzliche Aufbauhöhe. Das ist wichtig, da eine Erhöhung des Bodens Probleme hinsichtlich Türen, Treppen und Deckenhöhen nach sich ziehen kann.  

Gleichzeitig ist das Nachrüsten einer Fußbodenheizung mittels Fräsen vergleichsweise unkompliziert, da kein neuer Estrich gegossen werden muss. Das ist auch ein Grund für die geringen Kosten gegenüber anderen Methoden. So liegt der Preis für das Fräsen und Verlegen der Heizungsrohre zwischen 35 und 100 Euro je Quadratmeter. Hinzu kommen Kosten für die Planung, das Material sowie Anschlüsse an das bestehende Heizungssystem. 

Ein Nachteil der Methode besteht darin, dass sich nicht jeder Untergrund für das Fräsen einer Fußbodenheizung eignet. Grundvoraussetzung ist, dass es sich bei dem Untergrund um Estrich handelt. Trockenestrich und Holzbalkendecken beispielsweise sind nicht geeignet. Der Estrich muss tragfähig, rissfrei und dick genug sein. Dabei liegt die benötigte Mindestdicke meist zwischen 40 und 50 Millimetern.

Nasssysteme

Um eine Fußbodenheizung als Nasssystem im Gebäudebestand zu installieren, ist es erforderlich, den vorhandenen Bodenaufbau vollständig zu entfernen. Wie bei einem Neubau auch werden auf einer neuen Dämmschicht die Heizrohre verlegt und mit frischem Estrich übergossen. Somit sind die Heizrohre komplett von Estrich umschlossen. Das begünstigt einen sehr guten Wärmeübergang vom Rohr in die Estrichmasse. 

Diesem Vorteil stehen jedoch ein relevanter baulicher Aufwand und hohe Kosten gegenüber. Durch die zusätzliche Aufbauhöhe, die lange Trocknungszeit des Estrichs und die umfangreichen Arbeiten kommen Nasssysteme vor allem dann infrage, wenn ohnehin eine umfassende Sanierung oder ein kompletter Bodenaufbau geplant ist.

Trockensysteme

Eine weitere Möglichkeit für das Nachrüsten einer Fußbodenheizung besteht in Trockensystemen. Dabei werden die Heizrohre nicht in Estrich eingebettet oder gefräst, sondern in vorgefertigten Bodenplatten verlegt. Diese bestehen beispielsweise aus Gipsfaser oder Holzwerkstoff. Über den Rohren liegen Wärmeleitbleche aus Aluminium, die die Wärme verteilen. Darauf folgt meist eine Trockenestrichplatte oder direkt der Bodenbelag.

Anders als Nasssysteme ermöglichen es Trockensysteme, den bestehenden Bodenaufbau in den meisten Fällen zu behalten. Zwar erhöhen Trockensysteme den Bodenaufbau, je nach System liegt die zusätzliche Aufbauhöhe jedoch meist nur bei 20 bis 40 Millimetern. Anpassungen von Türen und Treppen sind meist nicht nötig. Das mindert den baulichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten.

Durch ihr geringes Gewicht sind Trockensysteme eine der wenigen Lösungen für das nachträgliche Einbauen einer Fußbodenheizung, die sich auch für Altbauten mit Holzbalkendecken eignet. Ein wirklicher Nachteil von Trockensystemen besteht jedoch in der geringeren Wärmeübertragung gegenüber Nasssystemen. Demnach besitzt massiver Estrich eine deutlich bessere Wärmeleitfähigkeit als Trockenbauplatten. Gerade in unsanierten Altbauten mit einer hohen Heizlast stoßen Trockensysteme deshalb schneller an ihre Grenzen.

Dünnschichtsysteme

Mit Dünnschichtsystemen werden Fußbodenheizungen nachträglich auf bestehendem Estrich aufgebracht. Der Name ist dabei Programm: So besitzen Dünnschichtsysteme eine sehr geringe Aufbauhöhe von gerade einmal 10 bis 20 Millimetern. Eine Anpassung von Treppen und Türen ist deshalb in der Regel nicht erforderlich. 

Bei Dünnschichtsystemen bleibt der bestehende Estrich als Untergrund erhalten. Nach der Vorbereitung und Grundierung des Bodens werden die Heizrohre der Fußbodenheizung in speziellen Noppenplatten verlegt. Anschließend werden die Rohre mit einer mineralischen, hoch wärmeleitfähigen Vergussmasse übergossen. Nach kurzer Trocknungszeit kann der gewünschte Bodenbelag verlegt werden. 

Ein Vorteil neben der geringen Aufbauhöhe besteht darin, dass der bestehende Bodenaufbau weitgehend beibehalten werden kann. Der bauliche Aufwand und die Kosten sind deshalb deutlich geringer als bei der vollständigen Sanierung des Bodens durch ein Nasssystem. Gleichzeitig ist die Wärmeleitfähigkeit zwar niedriger als bei Nasssystemen, jedoch wesentlich höher als bei Trockensystemen. Das liegt daran, dass die Heizungsrohre bei Dünnschichtsystemen direkt in der Spachtelmasse eingebettet sind.

Welches System ist das passende?

Mit dem Fräsen, Nass-, Trocken- und Dünnschichtsystemen bieten sich somit vier verschiedene Möglichkeiten, eine Fußbodenheizung im Bestand nachzurüsten. Welches System das passende ist, hängt vor allem von den baulichen Voraussetzungen ab.

Was Wärmeleitfähigkeit und Effizienz angeht, bieten Nasssysteme die beste Option. Diese erfordern jedoch einen enormen baulichen Aufwand und sind mit hohen Kosten verbunden, weshalb sie sich in erster Linie im Rahmen einer umfassenden Sanierung von Altbauten eignen. Eine unkomplizierte Methode mit überschaubaren Kosten bietet das Fräsen einer Fußbodenheizung. Dabei kann der vorhandene Bodenaufbau bestehen bleiben und die Installation erfordert keine zusätzliche Aufbauhöhe. Die Wärmeleitfähigkeit ist zwar geringer als bei Nasssystemen, jedoch immer noch höher als bei Trockensystemen. 

Ist der Estrich rissig oder zu dünn für das Fräsen, dann bieten Dünnschicht- und Trockensysteme eine Alternative. Beide können auf dem bestehenden Bodenaufbau aufgebracht werden und erhöhen die Aufbauhöhe nur geringfügig. Gegenüber Trockensystemen haben Dünnschichtsysteme den Vorteil, dass sie eine deutlich höhere Wärmeleitfähigkeit besitzen. Dafür wiegen Trockensysteme weniger, weshalb sie sich vor allem für Altbauten mit Holzbalkendecken eignen.

Elektrische Fußbodenheizungen

Trotz der unterschiedlichen Installationsweise haben alle der zuvor genannten Systeme eines gemeinsam: Sie ermöglichen das Nachrüsten einer wassergeführten Fußbodenheizung. Das bedeutet, in den Heizungsrohren zirkuliert Heizwasser, das durch den zentralen Wärmeerzeuger - die Wärmepumpe - erhitzt wurde. 

Eine in ihrer Funktionsweise völlig unterschiedliche Möglichkeit, eine Flächenheizung nachträglich zu installieren, besteht in elektrischen Fußbodenheizungen. Wärme entsteht direkt durch Strom in Heizmatten oder Heizkabeln. Elektrische Fußbodenheizungen sind zwar einfach nachzurüsten, dafür jedoch teuer im Betrieb. Sie eignen sich deshalb vor allem als Zusatzheizung für kleine Flächen, beispielsweise im Bad.

 
 

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